Interview mit Bita Salz – Gründerin und Inhaberin von BELLOMANIA

1. Was war Ihre größte Motivation zur Gründung des Unternehmens BELLOMANIA?

Meine größte Motivation war die Neugier darauf, was auf mich zukommen würde und die Liebe zu meinem Schäferhund.

2. Hunde sind die besseren Freunde, weil ...

... sie Liebe bedeuten. Eine grenzenlose Liebe. Eine energiegeladene Liebe. Eine 1000%-ig loyale Liebe. Eine „mir ist es egal wie du aussiehst“ Liebe. Eine „ich würde alles für Dich tun“ Liebe und eine „ich beschütze dich“ Liebe. Eine „ich komme immer, wenn du mich rufst“ Liebe. Eine „ich bin Dein vierbeiniger Freund fürs Leben“ Liebe.

3. Was waren im Jahr 2006 Ihre Ziele für das Unternehmen?

Das Unternehmen habe ich fünf Tage nach meinem 25. Geburtstag gegründet. Damals hat mir jeder in meinem Umfeld davon abgeraten. Nur mein Vater hatte ein Gespür dafür, dass ich mich auf MEINEM Weg befinde. Ich war damals viel zu jung um konkrete Ziele definieren zu können, zumal ich mich auf vollkommen unbekanntes Terrain vorgewagt hatte. In erster Linie wollte ich das tun, was mir Spaß macht und worin meine Talente liegen.

4. Wo sehen Sie Ihr Unternehmen im Jahr 2026?

Ich halte es für illusorisch, 10 Jahre im Voraus planen zu wollen. Märkte verändern sich kontinuierlich und eine der größten Leistungen erfolgreicher Unternehmen besteht darin, sich flexibel anpassen zu können.

5. Was war Ihr größter geschäftlicher Irrtum in den letzten 10 Jahren?

Oh, davon gab es jede Menge. Da ich vor der Unternehmensgründung zehn Jahre lang sehr erfolgreich im Modegeschäft tätig war und über keinen betriebswirtschaftlichen Background verfügte, lautete die Devise immer „learning by doing“. Ich habe mir jedes noch so kleine Detail selbst angeeignet. Heute kann ich im Lager genauso arbeiten wie im Management oder in der Kundenbetreuung. Das weiß mein Team zu schätzen. Letztendlich kommt es nicht darauf an, wie viele falsche Entscheidungen man trifft, sondern das man überhaupt Entscheidungen trifft.

6. ... und welches war Ihre beste unternehmerische Entscheidung in den letzten 10 Jahren?

Die beste Entscheidung war, dass ich den Mut hatte, das zu machen was ich liebe. Unser Erfolg hat sich erst spät eingestellt. Ich habe sieben Jahre für meine Ideenwelt mit Leidenschaft gekämpft. Das hält man nicht aus, wenn man nicht das tut, wofür man steht.

7. Auf welche Produkte bzw. Produktgruppen dürfen wir uns in den nächsten 5 Jahren freuen?

Natürlich werden wir uns weiterentwickeln, aber generell bleiben wir bei dem, was wir gut können.

8. Benennen Sie bitte die drei größten Verbesserungen, die Sie bei Ihren Produkten im Vergleich zu Mitbewerbern umgesetzt haben (insbesondere bei Leinen und Halsbänder)?

1) Wir sind meines Wissens deutschlandweit der einzige Hersteller, der eigene Karabinerhaken produziert. Unsere Karabinerhaken sind nicht nur sehr formschön designt, sie haben auch eine deutlich höhere Zugkraft als gewöhnliche Karabiner.
2) Mit der Verwendung von Neopren haben wir einen Trend losgetreten. Neopren trocknet sehr schnell und liegt angenehm weich auf der Haut. Das haben wir uns zunutze gemacht und eine sportliche Outdoor-Kollektion bestehend aus Halsbändern, Leinen und Geschirren entwickelt. Diesen Trend haben nach uns viele andere Hersteller aufgegriffen und versucht, umzusetzen.
3) Unseren Atrium Hundenapf gibt es seit der Geburtsstunde des Unternehmens. Damals wurde der Hundenapf aufwendig aus Porzellan hergestellt und lag bei einem VK von 219,00 EUR. Heute sind wir stolz darauf, den Atrium Hunde-Napf aus einem Kunststoff anbieten zu können, ohne dabei das Design verändert zu haben. Jetzt kostet der Napf nicht mehr 219,00 EUR sondern 16,99 EUR und ist für jedermann erschwinglich. Der Atrium Napf ist das Gesicht unserer Firma - ein zeitloser Klassiker.

9. In vielen Bereichen der Mode halten technische Innovationen Einzug, darunter auch durchaus Sinnvolles. Planen Sie für Produkte von BELLOMANIA ebenfalls technische Features, wie z.B. in Halsbändern implementierte GPS-Sender?

Nein. Es gibt einige Hersteller die sich darauf spezialisiert haben und ihren Job gut machen. Die technische Entwicklung ist uns zu schnelllebig um diese Produkte in unsere langlebigen Halsbänder zu integrieren. Es gibt ja sinnvolle Add-on Lösungen.

10. Sie sind beruflich viel auf Reisen. Erzählen Sie uns doch bitte von einer Begebenheit mit einem Hund, die Sie besonders beeindruckt hat:

Prinzipiell fühle ich mich zu allen Hunden hingezogen. Hunde faszinieren mich und ich nehme mir dann auch die Zeit, den Augenblick mit ihnen zu genießen. Es gab allerdings eine Geschichte, an die ich mich immer wieder gerne erinnere: es war spät in der Nacht nach einem anstrengenden Messetag mit anschließendem Geschäftsessen. Ich war in meinem Auto auf dem Weg von der Mailänder Innenstadt zum Hotel als mir ein Hund auffiel, der unbeirrt auf dem Linksstreifen der Schnellstraße lief, leicht humpelnd, aber mit einem Ziel. Andere Autos hupten, wichen ihm halsbrecherisch aus, und was tat ich ... schaltete die Warnblinkanlage an, blockierte mit meinem Wagen die linke Fahrspur, sprang raus und lief zu dem Hund, der erschöpft & dankbar stehen blieb. Während ich mitten in der Nacht versuchte, eine zuständige italienische Behörde zu erreichen, blieben auch andere Autofahrer stehen und versuchten, zu helfen. Jetzt war der Hund nicht mehr allein, alle kümmerten sich liebevoll um ihn bis junge Leute einer Tierschutz-Organisation kamen, um ihn mitzunehmen und für ihn zu sorgen. Das klingt jetzt melodramatisch, aber ich werde den Blick dieses Hundes nie vergessen, den er mir zuwarf, als er wusste, dass er jetzt nicht mehr auf sich allein gestellt war.

11. Für welche Märkte sehen Sie in der nahen Zukunft größtes Potenzial? Warum ?

Russland, China und die vereinigten Arabischen Emirate verändern ihren Blick auf Haustiere und der Hund spielt eine entscheidende Rolle dabei. Ich glaube, dass wir von diesen Märkten noch einiges erwarten können.

12. Würde es Sie reizen, einen eigenen Flagship-Store zu eröffnen? Was spräche dafür, was dagegen?

Mich würde eher ein Resort für Hunde interessieren. Einen Ort, an dem der Hund betreut wird. Einem Ort, an den sinnvollen Dienstleistungen rund um den Hund und für seine Besitzer angeboten werden. Ich bin kein Mensch der eine Pro und Contra Liste führt. Ich achte auf mein Bauchgefühl und frage mich dann, ob die Entscheidung sich für mich und jene, die davon betroffen sind, gut anfühlt oder nicht.
Ein Flagship-Store ist eine schöne Idee, aber für die Markenentwicklung von BELLOMANIA nicht notwendig.

13. Welche Entwicklungen des Marktes, die Sie in den letzten 10 Jahren beobachtet haben, halten Sie für besonders signifikant bzw. zukunftsweisend?

Im Zuge der Entwicklung des Hundes vom Nutztier zum Haustier zählt er heute in unserem Kulturkreis fast als ein vollwertiges Familienmitglied. Dahingehend ändern sich auch die Ansprüche der Besitzer. Zwei Trendrichtungen sind in den letzten 10 Jahren deutlich spürbar geworden:
a) Gute Basis-Produkte zu einem wirtschaftlichen Preis;
b) Zunehmender Trend zu Exklusivität und Hochwertigkeit.
Die Entwicklung in der Heimtierbranche zeigt aus meiner Sicht in den letzten Jahren folgende Trends und Tendenzen:
a) Dem allgemeinen Lifestyle entspringende Themen fließen in zunehmendem Maß bei Produkten für Tiere ein;
b) Verstärkte Fokussierung auf „Bio“, „Qualität“ und „Wellness“ für Tiere;
c) Abkehr von der „Geiz-ist-Geil“- Haltung.